Weibliche Jugend D1: Talente Cup Berlin

Letztes Jahr hatten wir ausgesetzt, dieses Jahr bekamen wir eine volle Mannschaft trotz widriger Umstände zusammen. Der Berliner TSC hatte zum Talente Cup 2021 geladen und wir waren wieder mit dabei. Ohne Captain Marie, dafür mit Gast Lucie, reisten wir zum ersten großen Test nach einer gefühlten Ewigkeit.

Die Tour startete bereits am Freitagmorgen ganz gewöhnlich. Die Bahn stellte unsere Geduld auf die Probe. Mit einer Dreiviertelstunde Verspätung erreichten wir Berlin. Zum Glück hatten wir es nicht eilig. Kurzer Marsch zum a&o Hostel, um dort die erste Problemstellung zu lösen. Wie teile ich eine Trainerin, einen Trainer und neun Mädchen auf ein Achter-, ein Zweier- und ein Einzelzimmer auf? Die Mädchen fanden recht schnell die richtige sozialmathematische Lösung, ohne wen auszugrenzen und ohne sozial kritische Zusammenstellungen, wir konnten das Gepäck unterbringen und ein wenig Sightseeing unternehmen. Durch vorangegangene Turniere hatten wir bereits eine feste Route. Nach einem ordentlichen Marsch, einer kleinen Shoppingtour („Eine Dreiviertelstunde reicht uns eigentlich.“ „Was stimmt mit Euch nicht?!“) ging es zurück Richtung Herberge nach Moabit, ein paar Schritte weiter ins „Mediterraneo“, wo wir den Abend ausklingen ließen. Mehrere Fragen nach dem Programm nach dem Essen hatten sich hinterher irgendwie erübrigt.

Die D-Jugend vorm Rathaus … neee … Bundestagshaus!

Dieses Jahr waren die Gastgeber mit Jahrgangsmannschaften ’09 und ’10 am Start, Grün/Weiß Schwerin und der Görlitzer HC. Den Turnierauftakt bestritten die Gastgeberinnen und da war ein deutlicher Unterschied zwischen den beiden Jahrgängen. Berlin I machte zudem schon einmal seinen Anspruch auf den Turniersieg geltend. Danach gingen wir gegen Görlitz ins Rennen. Nach den Berliner Verbandsregeln sollten wir die erste Halbzeit eine offene Manndeckung spielen, durften dann die zweite Halbzeit in eine offensive Raumdeckung übergehen. Das hatten alle Mannschaften vorab auch zur Kenntnis genommen… nur eben Görlitz nicht. Das war unserer Jarla egal, sie versenkte gleich unsere ersten vier Tore und bedankte sich für die Freiräume. Wir konnten bunt durchwechseln und gefährdeten dabei nie den Auftaktsieg. Dann wurde es hektisch. Wir waren jetzt „nach dem zweiten Spiel“ zum Mittagessen eingeplant. „Zweites Spiel“ kann man aber auch auf sich beziehen… Die Eltern unserer Gastspielerin Lucie, die in der Vereinsgaststätte eigentlich nur einen Kaffee wollten, bekamen den vollen Zorn der Wirtinnen zu spüren, aber es blieb noch reichlich für uns übrig. Aber nichts, was ein Zickenbändiger nicht lösen kann…

Mit vollem Magen ging es dann in unser zweites Spiel gegen GW Schwerin. Der Trainer hatte ein enges Spiel versprochen und es wurde ein enges Spiel. Beide Teams spielten auf Augenhöhe, das 8:8 zur Halbzeit war allerdings ein klein wenig schmeichelhaft, denn wir hatten einige Geschenke verteilt. Wir wechselten wieder im Tor von Emmie auf Lia, die sodann ein tolles Spiel zeigte. In der Halbzeit sprachen wir die Problempunkte an und dass wir eigentlich gewinnen müssten. Leider kamen in den zweiten 15 Minuten einige Fehler und unglückliche Entscheidungen zusammen, so dass Schwerin in Führung gehen konnte. In der crunch time gaben die Mädchen alles und zeigten tolle Moral. In der Schlusssekunde holten wir allerdings nur noch einen direkten Freiwurf raus, den wir bei 12:14 dann nicht mehr ausführten. Verdienter Sieg für Schwerin, mit mehr Hallentraining im Rücken und weniger Mittagessen im Magen hätten wir aber sicher ein noch spannenderes Spiel liefern können.

Zum dritten Spiel traten wir gegen den ’10er Jahrgang vom Berliner TSC an. Um die Kräfte- bzw. Größenverhältnisse etwas anzugleichen, klebten wir Alena und Emma für das gesamte Spiel auf die Bank und sperrten Lia zunächst für beide Halbzeiten ins Tor. Amina übernahm für dieses Spiel das Ruder auf der Brücke. Das Halbzeitergebnis von 11:1 sprach Bände, allerdings war das kein Grund zur Freude. Bei deutlicher Überlegenheit und offener Manndeckung mussten mehr Ballgewinne drin sein. Das sollte in der zweiten Hälfte geändert werden. Allerdings verletzte sich Jarla und später Lia im Tor, so dass wir gar nicht mehr wechselten und die Mädels verloren ihre Linie, rotteten sich in der Nahwurfzone des Gegners zusammen und stellten das Handballspielen ein. Die Quittung war, dass wir es schafften, die zweite Halbzeit noch knapp zu verlieren.

Der Höhepunkt des Turniers hätte dann das Spiel gegen Berlin Jhg. ’09 werden können, die bis dahin alle Spiele gewonnen hatten. Die Berliner Mädchen spielten aber leider in der Mann- und später in der Raumdeckung Sumoball oder Klammeraffenhandball, was unter den Hausregeln geduldet wurde. So kam leider kein Handballspiel zustande. Wir versuchten es nicht mit Gegenpressing sondern mit Gegenknuddeling (auch umarmen, zudrücken, hochheben, wegstellen), bekamen aber häufig gar nicht die Arme frei oder die Badenstedterinnen waren einfach zu schüchtern. Ein echtes Handballspiel hätten wir auch verloren, bei Klammeraffenhandball, wie wir ihn allenfalls aus der E-Jugend von verwirrten Trainern kennen, hatten wir keine Chance. Platz 3 für den TVB und sicher eine Menge gelernt.

Die Rückfahrt war dann noch mal ein Highlight. An der Tramstation war Großdemo oder Loveparade oder einfach Menschenauflauf. Die Bahnschienen waren mit Rettungskräften zugestellt und wir hatten keine Chance noch unseren Zug zu erwischen. Da wir eine Zugbindung hatten, war das etwas misslich. Wir marschierten eine Station zu einer anderen Linie weiter, mussten einmal zusätzlich umsteigen und erwischten dann gerade noch einen ICE Richtung Hildesheim, hatten aber kein gültiges Ticket. Da im Zug aber nicht nur kleine Handballerinnen waren, sondern zwei Wagen voll mit feierwütigen Waldhof Mannheim Fans, gingen wir irgendwie bei der Kontrolle unter. Berlin… immer eine Reise wert!

Herzlichen Dank an den Berliner TSC für die Einladung, an die Vereinsgaststätte für die Geduld mit Analphabeten, an das a&o Hostel Lehrter Straße und das „Mediterraneo„, das zwar keine Reservierungswünsche beantwortet, dann aber doch eine Horde aus Hannover prächtig bewirtet. Und natürlich vielen Dank an die Fans von Waldhof Mannheim, die das Zugpersonal während der gesamten Fahrt beschäftigten und eigentlich in Wolfsburg rausgekärchert werden sollten, die Polizei dort aber wohl keine Zeit oder keinen Kärcher hatte.