Weibliche Jugend D I/C II: Bergfest… jedenfalls so ähnlich

Nach dem Ende der Hinrunde kommt an dieser Stelle immer ein Rückblick auf die bisherige Saison. Erfreulicherweise gab es eine bisherige Saison, wenn auch das Ende der Rückrunde effektiv noch nicht erreicht ist. Die D I und die C II müssen je noch vier Spiele nachholen und die aktuelle virale Lage macht nicht eben Mut, dass das in den zeitlichen Grenzen der Saison noch erreichbar ist, auch wenn die C-Jugend-Saison schon über Ostern hinaus verlängert wurde.

Die D-Jugend hatte zunächst nicht nur mit der Zwangspause zu kämpfen, personell war die Mannschaft vor der Saison noch nicht wirklich konkurrenzfähig. Wenn nirgends richtig trainiert werden kann, gibt es keine Neuzugänge. Es sei denn… Im Profibereich ist der Transfermarkt alltäglich. Und wer im Jugendhandball mal Deutscher Meister werden will, muss sich den Gesetzen des Marktes beugen. Die „Großen“ wie Leverkusen, Buxtehude oder Leipzig tun dies auf jeden Fall auf höchstem Niveau – und dennoch ist die Badenstedter wB aktueller Deutscher Meister, nicht zuletzt durch Neuzugänge bevor diese auf dem Radar der Spitzenvereine erschienen. Also nutzten wir die Pause und nahmen Lia, Emma und Alena unter Vertrag, die sich sehr schnell in Badenstedt einlebten, auch dank einiger Monate des Gasttrainings. Es geht aber auch anders, Katharina und Jarla liefen uns einfach so zu. Eine Anfrage bei der damaligen D II Trainerin Juli bescherte uns Mila, nach weiterem Nachbohren konnten wir auch die E-Jugend-Mäuse Neele und Frida als Teilzeitkräfte verhaften. Und im Sand konnten wir schon vor der Saison unsere Konkurrenzfähigkeit nachweisen.

Beinahe wäre es gar nicht zum jetzigen Start in der Regionsoberliga gekommen. Beim Jugendstaffeltag, wo die Ligen der Handballregion eingeteilt werden, drohte Ungemach in Form der „Breitensportinisierung“ der weiblichen D-Jugend. Im männlichen Bereich undenkbar, dass die Platzhirsche wie Burgdorf, Anderten oder HSC so auf mehrere Ligen verteilt werden, dass sie plötzlich gegen fortgeschrittene Anfängermannschaften spielen müssen. Genau das sollte aber mit uns passieren. Zum Glück kam man auf die unkonventionelle Lösung vier Freiwillige erst einmal in einer höchsten Liga starten zu lassen und parallel noch drei weitere Teilnehmer auszuspielen. Um die verlorene Trainingszeit ein wenig zu kompensieren, organisierten wir gleich zwei Trainingslager bei unseren Freunden der SG Neuenhaus/Uelsen. Die Fortschritte machten sich schnell bemerkbar. Nach vollendeter Vorrunde und angebrochener Hauptrunde sind wir zumindest ein wenig schlauer. Auch wenn in der D-Jugend Titel allenfalls Wandschmuck sind und zumindest uns nicht interessieren, gibt es in der Liga diesbezüglich keine Überraschungen im Hinblick auf die diesjährige Meisterschaft. Es wird zum erwarteten Zweikampf zwischen dem HSC und uns kommen. Viel wichtiger aber ist, dass drei unserer Mädchen schon mal beim C-Jugend-Stützpunkt des Landesverbands mittrainieren durften, fünf Mädels schon mal Oberligaluft schnupperten und sechs Mädchen Stammkräfte in der C-Jugend Landesliga sind. Nur so lässt sich in der Handballprovinz wieder von einer Deutschen Meisterschaft träumen. Träumen können wir auch von kompetenten Nachwuchstrainerinnen. Charlotte und Amina sind nicht nur jede Woche beim Training mit zunehmend mehr Verantwortung dabei, in einem vielleicht bundesweit einzigartigen Projekt übernehmen sie in den Punktspielen die Bank, die noch fehlende Erfahrung gleichen wir für alle Fälle durch einen Knopf im Ohr aus. Vorgängerin Pia steht kurz vor dem Erwerb der C-Lizenz und coacht mittlerweile die B-Jugend Reserve.

Ganz anders die Situation der C II, unserer „Phantommannschaft“. Ähnlich wie Mannschaften des Etikettenschwindels wA-Jugend Bundesliga gibt es die Mannschaft gar nicht. Alle TVB C-Jugendlichen trainieren in der C I, die D-Jugendlichen trainieren in ihrer Altersklasse. Anni und Jona aus der C sind einmal wöchentlich bei den Jüngeren zu Gast. Und zu Punktspielen treffen wir uns dann und bilden nach Peine die wahrscheinlich zweitjüngste C im Spielbetrieb des HVN. Wichtigste Stützen unseres bisherigen Erfolgs waren die einzigen 07er Mädchen Nelli und Aimi, die noch vor der Saison den Sprung in den Oberligakader nicht ganz geschafft hatten. Spielerinnen des älteren Jahrgangs passen zwar nicht ganz in das Ausbildungskonzept der C II, hier ging es aber absehbar lediglich um eine kurzfristige Überbrückungszeit. Das geschulte Auge sah das große Potenzial der beiden Rohdiamanten und so mussten wir es mit einem lachenden und einem weinenden Auge hinnehmen, dass Beide nun fest im Oberligakader sind. Bei uns zum Glück verbleiben wird unser Gast Isabelle, die über das liebgewonnene Zweifachspielrecht Teilzeitkraft in Badenstedt geworden ist. Im Heimverein Zugpferd ihres Teams in der Regionsliga, sammelt Isi bei uns zwei Ligen höher ihre Spielpraxis und durfte auch schon in der Oberliga auflaufen. Die Phantommannschaft schlägt sich bislang hervorragend. Die 6:2 Punkte beinhalten nicht einmal den hohen Auswärtssieg bei Grönegau/Melle, die daraufhin die Reißleine zogen und die Mannschaft abmeldeten. Und alle Beteiligten wissen, dass die einzige Niederlage gegen Georgsmarienhütte auch einen anderen Verlauf hätte nehmen können. Aimi und Nelli werden uns zukünftig fehlen, die Trauben hängen dann wesentlich höher, aber dann müssen die anderen Mädchen mehr Verantwortung übernehmen, was Sinn und Zweck des ganzen Mehraufwands ist.

Zwar hat der Landesverband letzte Woche vollmundig die Fortsetzung der Saison im Januar verkündet, etwas Skepsis erscheint aber angebracht. Eine fortgesetzte oder nochmalige Unterbrechung des Spielbetriebs wäre realistisch. Was es aber auf keinen Fall geben darf, ist die Sperrung der Sporthallen für den Trainingsbetrieb! Handballmastermind Bob Hanning hatte es jüngst in einer Berliner Tageszeitung eindrucksvoll auf den Punkt gebracht, als er dazu mahnte, der Jugend eine Lobby zu geben und für den Trainingsbetrieb zu kämpfen. Unserer Erfahrung nach ist eine Ballsportart auf Online-Training zu reduzieren… für den Allerwertesten. Bob: Vieles kann man mit Geld reparieren – die Jugend nicht! Danke nach Berlin!