Weibliche Jugend C II: Thriller ohne Manila

Die Aufgabe war klar umrissen. Dank der Statistikabteilung von nuLiga wussten wir, dass der Gast TV Georgsmarienhütte mit einer Ausnahmespielerin daherkam. Torschnitt von bislang 15 Toren/Spiel in der Landesliga. Mit Zweifachspielrecht auch in der B-Jugend-Oberliga erfolgreich tätig. Landesauswahlspielerin Jahrgang ’07, aber beim Jahrgang ’06 mit am Start. Der Flurfunk berichtete zudem, dass die junge Dame variabel auf allen drei Rückraumpositionen eingesetzt würde. Auf Mannschaftsfotos gar nicht beeindruckend groß, also wohl eher auf der technischen Seite stark. Normalerweise fokussieren wir uns nicht so sehr auf eine einzelne Spielerin. Der Instinkt sagte aber, wir sollten vorbereitet sein.

Die Lösung sah so aus, dass wir zunächst Aimis Vertrag in der C II um ein Spiel verlängerten, was möglich war, da die C I munter wegen Auswahlmaßnahmen Spiele verlegen musste. Das wiederum sorgte dafür, dass auch Abwehrchefin Nelli in der C I noch nicht festgespielt war. Auch Nelli war für diese Saison zunächst noch bei uns eingeplant, auch sie hatte aber im Training der C I überzeugt. Sie bekam auf Hinten Mitte einer Halbfeldmanndeckung zusätzlich eine Liberoaufgabe. Und letztlich wagten wir noch ein Experiment. Jede andere Mannschaft hätte sich eine extrem defensive Abwehrformation auferlegt, um die Räume für Dilayla zu verkleinern. Wir wichen nicht von unserer Linie ab, führten aber nach etwa 10-minütiger Vorbereitung im Training mit lediglich drei möglichen Abwehrspielerinnen die sinkende Manndeckung ein. DAS war mal eine echte „challenge“ für Mannschaft und Trainer.

Die Ruhe vor dem Sturm

Zu behaupten, unser Plan sei aufgegangen, wäre gelogen. Gescheitert war der Plan allerdings auch nicht ganz. Beide Mannschaften spielten absolut auf Augenhöhe, wobei wir mehr mannschaftliche Geschlossenheit an den Tag legten und die Gäste, nun ja, eine Naturgewalt im Rückraum besaßen. Immer wieder konnte Dilalya durchbrechen. Manchmal kam rechtzeitig Hilfe, manchmal stand dann eine Mitspielerin frei zum Anspiel, manchmal blieb der Weg zum Tor auch frei. Wir wollten die junge Dame im einstelligen Torbereich halten – letztlich wurden es 17 Treffer. Wären wir nicht ein wenig parteiisch gewesen, hätten wir von der Bank aus applaudieren müssen.

In der ersten Halbzeit lief es noch rund. Im offenen Schlagabtausch konnten wir uns einen kleinen Vorteil erarbeiten, über 9:9, 11:9, 14:11 erkämpften wir ein 15:13 zur Halbzeit. Vorne traf Aimi zuverlässig aus dem Rückraum, hinten verrichtete die Deckung Schwerstarbeit. Nelli hatte sich schon sehr früh die zweite Zeitstrafe abgeholt, was aber einkalkuliert war. Zur Halbzeit war das eine Spielziel schon dahin, unsere Nemesis war schon bei 10 Toren angelangt. Aber wir führten.

Das ohnehin schon spannende Spiel wurde in der zweiten Hälfte noch intensiver. Unser 20:18 in der 34. Minute konterte Georgsmarienhütte mit einem 5:0-Lauf zum 20:23 in der 40. Minute. Nun hatten die Gäste das Momentum. Wir steigerten uns wieder in der Deckung, Emmie und zweimal Nelli besorgten den Ausgleich zum 23:23. Nun hatten wir die Gegner unter Zugzwang, legten immer ein Tor vor und die Gäste zogen nach zum Ausgleich. Wir verwarfen dann zwei 7m, einmal gar auch den Nachwurf und konnten aber beim 26:26 den Ball ohne Gegentor erobern. Zweieinhalb Minuten noch zu spielen, eine Auszeit übrig und Ballbesitz. Wir wechselten ein letztes Mal für die crunch time … nur dass man beim Wechseln erst das Feld betreten darf, wenn die auszuwechselnde Spielerin draußen ist. Ein klein wenig nahm uns die Zeitstrafe den Rhythmus (sowie den Ballbesitz) und im Herzschlagfinale konnte Georgsmarienhütte in einem hochdramatischen Spiel mit 27:28 die Punkte mitnehmen.

Sollten wir uns bis dahin erholt haben, geht es für die C II am 07.11. bei der Mannschaft der Stunde weiter. Wir gastieren beim TKJ Sarstedt, der wiederum über zwei und nicht eine Haupttorschützin verfügt. Es wartet die nächste spannende Aufgabe.

Der Spielbericht der Gäste bereits online.