Weibliche Jugend C II: Die Reifeprüfung

Nach dem Glücksmoment in Laatzen die Woche zuvor drohte Samstag wieder die harte Realität einzufallen. Die Mädchen vom TKJ Sarstedt waren vor zwei Jahren unangefochtener D-Jugend Regionsmeister geworden und hatten sich seither nicht auf ihren Lorbeeren ausgeruht. Sarstedt hatte am letzten Wochenende gegen Bothfeld deutlich gemacht, wer als Tabellenerster in die Oberliga einziehen würde und wir waren nicht einmal ein kleiner Stolperstein. Also bekamen die Mädchen vor dem Spiel eine Portion Realität eingeimpft und den Auftrag, jeden kleinen Erfolg hinten wie vorne zu feiern.

Zu feiern gab es zunächst nicht viel, über 0:1 und 1:12 bahnte sich ein finsterer Nachmittag an. Obwohl die torgefährlichste Gästespielerin verletzt auf der Bank saß, sahen die Badenstedterinnen gegen den körperlich weit überlegenen Gegner keine Schnitte. Und das Positionsspiel gegen 3:2:1 steht bei uns noch lange nicht auf dem Stundenplan, so dass es zunächst keinerlei Lücken in der gegnerischen Deckung zu geben schien. Plan A war nun die Halbzeit zu erreichen, um dann im Schnellkurs in der Halbzeit eine große Aufgabe vorzubereiten. Denn nur wenn Torhüterin Franzi auch mal den Ball aus dem Netz fischen musste, konnten wir sicher gehen, dass nicht der nächste Gegenstoß über uns hinwegfegte. Das viele Torewerfen schaffte dann auch die Sarstedter Deckung ein wenig, so dass wir zur Pause immerhin noch auf ein 10:21 kamen.

Gegen Weserbergland hatten wir es schon mal versucht und die ersten Lehren gezogen. Nun stellten wir erneut die Angriffsformation um, setzten auf unsere Stärken und darauf, dass Sarstedt auf die Schnelle keine Lösung für die neue Aufgabe finden würde. Es folgte wieder ein taktischer Overkill in der Hoffnung, dass die entscheidenden Details gleich einsickerten. Zudem stellten wir die Rahmenbedingungen um, setzten das Kistentor auf bescheidene 20 Tore runter und sollte Sarstedt die 40 nicht knacken, käme die Kiste vom Coach.

Und dann passierte Erstaunliches… der Plan ging auf. In der Deckung war klar, dass wir wenig Licht sehen würden, aber es gab keinen Grund dazu vorne hilflos vor dem Abwehrbollwerk herumzuspielen. Ein ums andere Mal fanden wir die freie Kreisläuferin, die auch stets erfolgreich vollstreckte. Für ein paar Minuten sah es so aus, als wenn wir doch noch viele kleine Erfolge feiern könnten. Die Spielerinnen hatten den Auftrag eine noch nie trainierte gruppentaktische Maßnahme zu verstehen und umzusetzen. Den Reaktionen der gegnerischen Bank nach schien das auch zu fruchten. Und wenn die Mädchen dann nicht alle von einer Minuten auf die Andere das Fangen verlernt hätten, wäre es sogar ein witziger Nachmittag geworden. Mit 25:46 konnten wir zwar das Kistentor klar machen, die Kiste muss allerdings Marei und nicht der Coach beisteuern.

Am kommenden Sonntag um 11:50 geht es auf der harten Ausbildungstour weiter, in Bothfeld erwartet uns der Sieger des Sarstedter Vorbereitungsturnier vor wenigen Wochen.