Weibliche Jugend C I: Experiment mit Tücken

Unter der Woche hatte der HVN den Spielbetrieb für einen Monat auf Eis gelegt, allerdings für die Oberligen C- und B-Jugend eine Ausnahme gemacht. Und so fiel der Besuch des Tabellenletzten der C-Jugend-Oberliga SG Findorff auf die Zwangspause der weiblichen C II. Einem Verkauf des Spiels an die Zwote stimmte Diego nicht zu, allerdings stockten wir den Kader nicht nur mit den C-Jugendlichen Ronja, Liv und Anni aus der Reserve auf, zudem durften auch D-Jugendliche Jarla und Emmie ihr Debüt in der Oberliga geben. Die logistische Herausforderung: Die C I spielt alters- und leistungsklassengerecht eine 3:2:1-Deckung, in der D-Jugend bereiten wir gerade die ersten Schritte in der Raumdeckung vor, sind also noch zwei Schritte hinterher. Außerdem war der Kader nun deutlich zu groß, so dass die ein oder andere Leistungsträgerin mal für die Dauer des Spiels frei bekam.

So viele neue Gesichter, einige der go-to-girls auf der Bank, alsbald eine Umstellung der Deckung auf eine D-Jugend kompatible Deckung – die SG Findorff, die als einzige Mannschaft der Liga im Schnitt jedes Spiel über 30 Tore kassierte und noch punktlos war, konnte ihr Glück gar nicht fassen. Der Tabellenerste war vollkommen von der Rolle. Zu Beginn des Spiels wurden die Schlüsselspielerinnen der Bremer nicht angefasst, die Kreisläuferin blieb nahezu unbehelligt und im Angriff lief auch nicht viel zusammen. Diego reagierte und stellte viel früher als geplant auf die Manndeckung um … und nun begann das Chaos erst richtig. Zwei Spielerinnen hatten so gar keine Lust auf die lästige Laufarbeit und auch Spielerinnen mit Erfahrung in der Manndeckung aus den Landesligaspielen hatten alle Basics vergessen. Findorff konnte sich über 5:7 und 6:8 schon mal auf zwei Tore davonschleichen, die mitgereisten Fans trauten ihren Augen nicht. Die mitgebrachten Pappschilder mit der Aufschrift „Believe!“ bekamen unverhofft einen realistischen Sinn. Die kleinlichen Zeitstrafen halfen nicht unbedingt, Ruhe ins Spiel zu bringen. Captain Chiara, heute mal Betreuerin, gab auf der Bank alles, konnte aber ihre Schäfchen nicht erreichen. Diego hatte mittlerweile Emmie eingewechselt, die auf der Linksaußen-Position neues Leben ins Spiel brachte. Mit einem höchst peinlichen 12:13 Rückstand ging es in die Halbzeit.

Peinlich“ war auch das Schlüsselwort in der Halbzeitansprache. Diego erkannte, dass heute über Technik und Taktik nichts zu erreichen war, appellierte an die „Emotionalität“ seiner Mannschaft, Chiara rüttelte ihre Spielerinnen auch noch einmal wach und schließlich gab es noch eine Blitzwäsche für alle Aktiven, die die erste Halbzeit abwaschen mussten. Vor allem die D-Jugendlichen staunten, waren sie doch eher norddeutsch analytische Ansprachen gewohnt.

Es dauerte ein wenig, aber dann wachten sie doch auf und glaubten an sich. Bis zum 16:16 musste die Bank noch bangen, fünf Minuten später war beim 22:16 der Widerstand der Gäste gebrochen. Jamila stand plötzlich ständig frei am Kreis und konnte sogar ein 20m Anspiel verwandeln. Emmie kam zu ihrem umjubelten ersten Oberligatreffer von Außen. Großen Anteil am plötzlichen Lauf der Mädels hatte Nelli, die in der Deckung überall zu finden war und einen Brandherd nach dem anderen löschte. Gegen Ende durfte Liv endlich ran und netzte binnen acht Minuten viermal ein. Mit 32:19 ging das heutige Experiment gerade noch einmal gut und die Gäste mussten die Heimfahrt nicht mit einer heftigen Packung antreten.

Happy End nach schwerem Start

Für die C I stehen die Wochen der Wahrheit bevor. Am kommenden Sonntag gibt es um 15:00 Uhr das Kräftemessen mit dem Tabellendritten MTV Rosdorf. Und die Woche drauf stellt sich Samstag um 15:00 Uhr der ernsthafteste Verfolger mit dem Buxtehuder SV im Salzweg vor.