Was ist eigentlich … Stürmerfoul

Im IHF-Regelwerk steht:

8:2 Es ist nicht erlaubt:

a) dem Gegenspieler den Ball aus der Hand zu ent­reißen oder wegzuschla­gen.
b) den Gegenspieler mit Armen, Händen, Beinen zu sperren, ihn durch Körpereinsatz wegzudrängen oder wegzu­stoßen, dazu gehört auch ein gefährdender Einsatz von Ellbogen in der Ausgangsposition und in der Bewegung.
c) den Gegenspieler am Körper oder an der Spielkleidung festzuhalten, auch wenn er weiterspielen kann.
d) in den Gegenspieler hineinzurennen oder –springen.

Dies gilt sowohl für Angreifer, als auch für Abwehrspieler.

Die Aufgabe des Schiedsrichters ist es nun also – z.B. im Falle einer Kollision – zu entscheiden, wer für den Kontakt verantwortlich war. Doch je nach Blickwinkel kann eine Situation komplett unterschiedlich Aussehen (darum sind Schiedsrichter und Zuschauer bei solchen Aktionen auch nicht immer einer Meinung). Deshalb gibt es vom DHB einige Beobachtungshinweise und Regelklarstellungen zum Stürmerfoul.

Regelklarstellung
14. Durchziehen des Wurfarms gegen passiv-blockenden Abwehrspieler
a) Wenn der Angreifer gegen einen „nur“ blockenden, sich nicht nach vorne bewegenden Abwehrspieler die Wurfhand durchzieht, muss auf Stürmerfoul + mind. 2`-Strafe gegen den Angreifer entschieden werden, wenn der Abwehrspieler mit der Hand am Kopf/im Gesicht getroffen wird.
b) Bewegt sich jedoch der Abwehrspieler aktiv nach vorne, liegt (normalerweise) kein straffähiges Angreifervergehen vor (analog zum normalen Stürmerfoul).
Nach wie vor ist allerdings ein Gesichtstreffer durch den Abwehrspieler immer mindestens mit einer 2`-Hinausstellung zu ahnden. Die Auswirkungen des Gesichtstreffers sind stets zu berücksichtigen.

Und besonders beim Absprung von Außenspielern gibt es einige Tücken, die schnell die Meinungen von Schiedsrichter und Zuschauern auseinander treiben:

Beispiel
Situation: Der Außenabwehrspieler B9 steht mit erhobenen Händen korrekt und unbeweglich vor der Torraumlinie, als der Linksaußen A7 zum Torwurf ansetzt. A7 springt mit Ball korrekt vor der Torraumlinie ab und fädelt mit seinem Wurfarm in die erhobenen völlig passiven Arme so ein, dass er z.B. selbst zu Fall kommt und der Wurf am Tor vorbeigeht.

Lösung: Gemäß Regel 8 ist dies ein Vergehen des Angreifers, da die Aktion eindeutig von ihm ausgegangen ist. Der Abwehrspieler verhält sich völlig passiv. Aus diesem Grund kann es hier nur zu folgenden Entscheidungen kommen:

– Vorteil, wenn der Ball in den Besitz der gegnerischen (abwehrenden) Mannschaft kommt
– Angreiferfoul, wenn der Ball trotzdem ins Tor gelangen sollte
– Freiwurf für die Abwehr, wenn der Angreifer mit Ball in den Torraum fallen sollte.

Auf keinen Fall kann hier auf 7-m für den Linksaußen, ebenso wenig auf Strafe gegen den Abwehrspieler entschieden werden.

Je nach Blickwinkel und Situation kann eine Aktion anders aussehen. Glaubst Du, dieses Bild zeigt ein Stürmerfoul?

Ihr merkt, die Handballregeln sind eigentlich ganz einfach, aber die Umsetzung auf dem Hand­ballspielfeld ist komplizierter als man denkt. Man sollte als Schiedsrichter immer einen optimalen Blickwinkel haben, muss auf viele Kleinigkeiten gleichzeitig achten und schnelle Entscheidungen treffen. Aus diesen Gründen wollen wir in Ba­den­stedt respektvoll miteinander umgehen und wenn doch jemand meint, er habe mehr Ahnung von den Handballregeln, dann soll er es auch be­weisen: IHF-Regelfragentest :-)

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