Was ist eigentlich … Ausgezeichnete Jugendarbeit

Wer bereits in Anderten oder Burgdorf in der Sport­halle war, wird vielleicht das große Logomit dem Schrift­zug “Exzellente Jugendarbeit” gesehen haben. Dieses Ju­gendzertifikat bekommen Vereine der 1. und 2. Bun­des­li­ga, wenn sie eine be­stimmte Anzahl an li­zen­sier­ten Trainern unterhalten, ihre Jugendmannschaften entsprechende Trainingsumfänge wahrnehmen, sie einen gesonderten Torwarttrainer beschäftigen usw.

Warum aber können nur Mannschaften der 1. und 2. Bundesliga eine gute Jugendarbeit leisten? Und ist die Anzahl der Lizenzen in einem Verein wirklich ein Maß für langfristige Jugendarbeit?

Diese Fragen hat sich auch der DHB gestellt und deshalb in Kooperation mit der “Kinder stark machen”-Initiative ein Gütesiegel für “Ausgezeichnete Jugendarbeit” geschaffen.
Mit dem DHB-Gütesiegel soll Handballabteilungen in Sportvereinen – egal ob Breiten- oder Leistungssport orientiert – ermöglicht werden, anhand von zehn zu erfüllenden Kriterien die hohe Qualität ihrer Jugendarbeit nachzuweisen. Zu den Kriterien gehören:

1. Trainerkompetenz
Trainerinnen und Trainer aus dem Kinder- und Jugendbereich des Vereins lassen sich durch Teilnahme an einer “Kinder stark machen”-Schulung fortbilden.

2. Sportliche Förderung
Der Verein erstellt ein Konzept erstellen, in dem die sportliche Förderung seiner Jugendlichen differenziert festgehalten wird.

3. Außersportliche Veranstaltungen
Es finden außersportliche Veranstaltungen statt. Hier können jede Art von Veranstaltungen durchgeführt werden, die außerhalb des Sportbetriebs liegen. Dies können Unternehmungen im reinen Freizeitbereich sein, der Besuch von kulturellen Veranstaltungen oder auch ein Engagement der Jugendlichen in sozialen Projekten.

4. Vereinsarbeit
Jugendliche werden an der Vereinsarbeit beteiligt (z. Bsp. Installation von JugendsprecherIn, Jugend-Schiedsrichterwart etc.)

5. Jugendraum
Nicht jeder Verein hat ein eigenes Vereinsheim und kann Jugendlichen einen Raum fest zur Verfügung stellen. Trotzdem sollte ein Weg gefunden werden, wie Jugendliche einen Raum für ihre eigenen Veranstaltungen bekommen können. Dafür bietet sich unter Umständen ein Raum im Gemeindezentrum oder in ähnlichen öffentlichen Einrichtungen an.

6. Soziale Talente
Jugendlichen wird die Ausbildung für eine Tätigkeit als Trainerin oder Trainer (z. B. Gruppenhelfer), Jugendleiterin oder Jugendleiter, Jugendsprecherin oder Jugendsprecher sowie Vereinsmanagerin oder Vereinsmanager ermöglicht.

7. Suchtprävention
Neben den Regeln zum Umgang mit Alkohol, Tabak und anderen Suchtmitteln, die der Verein – am besten gemeinsam mit den Jugendlichen – aufstellen sollte, ist die Förderung von Lebenskompetenz bei Jugendlichen ein wichtiger Baustein, um Jugendliche vor Sucht und Drogen zu schützen.

8. Elterneinbindung
Die Einbindung der Eltern in die Betreuung der Jugendlichen und in die Organisation des Vereins- und Sportbetriebs sollte dokumentiert werden und exemplarisch beschrieben werden.

9. Ehrenkodex
Trainerinnen und Trainer sowie die Jugendbetreuerinnen und Jugendbetreuer unterzeichnen eine Verpflichtungserklärung über den Umgang mit Kindern und Jugendlichen im Verein.

10. Grundwerte
Der Verein hat eigene Grundwerte für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen festgelegt.

An allen zehn Punkten arbeitet die HSG seit Jahren intensiv und engagiert sich stark für die Förderung von Jugendlichen. Monate lang wurde versucht diese Kriterien nach und nach in das bereits vorhandene “Konzept zum Kinderhandball” einzubinden. Ich habe Informationen eingeholt, Bücher gelesen, mit anderen Vereinen verglichen und so wurde irgendwann das neue Jugendkonzept geboren. Doch auch das 30-seitige Konzept erfüllt noch längst nicht alle Kriterien! Es wurde eine “Kinder stark machen”-Schulung in Badenstedt organisiert, eine Zusammenfassung der Dankern-Fahrt geschrieben und vieles mehr. Der letzte Schritt – nachdem wir im letzten Jahr bereits die JugendsprecherIn in der HSG verankert haben – war die Verfassung einer Jugendordnung und die damit verbundene erste Jugendversammlung im September (die Einladung findet ihr demnächst hier).

Und nun wissen es nicht nur die Badenstedter, sondern ganz Handball-Deutschland: “DHB-Jugend bestätigt HSG Badenstedt “Ausgezeichnete Jugendarbeit””

Doch neben all der Euphorie und Freude sollten wir Philip Rosenthal nicht aus unseren Köpfen verdrängen. Denn dieser und auch Landestrainer Thomas Engler (in seinen Glückwünschen an unsere Meister-Mädchen) wissen, “Wer aufhört besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein”. Packen wir es (weiterhin) an!