Saisonauftakt der weiblichen B

Beachen ist jetzt endgültig vorbei!
(Foto: C. Pindelski)

Casting, Trainingsspiele und Vorbereitungsturniere waren vorbei, Trainingslager und Saisonvorbereitung fielen den Umständen der Mannschaftsfindung und der kurzen Zeit zum Opfer – unser spannendes Handballprojekt konnte beginnen und hatte gleich mit dem Auswärtsspiel in Hameln einen würdigen Auftakt. Die Mädels von Ute Hertting hatten vor zwei Jahren meiner ehemaligen Mannschaft einen heißen Kampf um die Landesligameisterschaft in der C-Jugend geliefert und die Buschtrommeln hatten schon längst gemeldet, dass der ehrgeizigere Teil von Emmerthals Handballnachwuchs nun den VfL verstärkte. Standortbestimmung oder böses Erwachen? Wir waren gespannt.

Hameln führte schnell mit 3:0, da unserem Angriff wenig gegen die auf Unterbrechung ausgerichtete Abwehr der Heimmannschaft einfiel. Das Unheil nahm seinen Lauf… oder doch nicht? Unsere Nele im Tor fand schneller ins Spiel als die  übrigen Mädels und baute die Abwehr von hinten auf, bzw. fand auch die richtige Lautstärke, ihre Vorderleute aufzuwecken. Unser Angriff kam zunehmend besser ins Spiel, aber vor allem stabilisierte sich die Deckung gegen die 1-gegen-1 Expertinnen des VfL. Mit dem Halbzeitpfiff versuchte Katha beim 7m noch mal der Torpfosten durchzuschießen, aber der Pfosten hielt und der Ball prallte von der Torhüterin ins Aus (der Hamelner Spielbericht spricht von einer schweren Verletzung – gute Besserung an Pia!), sonst wäre sogar noch der Anschlusstreffer gefallen. So gingen wir mit einem – überraschend engen – 8:6 Rückstand in die Kabine.

Eigentlich gab es fast nichts zu meckern. Immerhin spielten wir uns gerade ein und Kenner der Liga würden die Hamelner in jedem Fall am Ende der Saison in der oberen Tabellenhälfte erwarten. Jetzt nur nicht der  Nach-Halbzeit-Einbruch und wir könnten sogar noch im Geschäft bleiben. Wenige Augenblicke nach Wiederanpfiff war es dann Tatsache, auch die neue Badenstedter B-Jugend war vor dem Phänomen der Zweithalbzeitmüdigkeit nicht sicher, denn aus zwei Toren Rückstand waren nun fünf geworden. Das Unheil  nahm seinen Lauf… oder doch nicht? Selten habe ich ein so schnelles Comeback zu Beginn der zweiten Halbzeit erlebt, die Mädels kämpften sich ins Spiel zurück. Den ein oder anderen Übergang konnten wir erfolgreich abschließen, Kreisläuferin Katha bekamen die Hamelner Mädels das ganze Spiel über nicht in den Griff und dann waren da noch unsere 7m-Würfe, die sich sicher binnen kurzer Zeit herumsprechen werden.

Gegen Ende des Spiels war es bei tropischen Temperaturen eine ganz spannende Begegnung, weil sich die (Neu-) Badenstedterinnen niemals abschütteln ließen und sich mit unserem – noch recht bescheidenen – Angriffsrepertoire stets das  Unentschieden zurückholten.  In den letzten Minuten stand das Spiel gar auf der Kippe, als sich Hameln die erste Zeitstrafe des Spiels einhandelte, aber bei Unentschieden in Ballbesitz war. Was in der letzten halben Spielminute passierte, muss dann unter “unerfreuliche Lebenserfahrung” abgespeichrt und im Bedarfsfall dann bei ähnlicher Situation abgerufen werden.

Kleines-Handballtagebuch-Modus an Hameln erhält einen – berechtigten – 7m-Wurf zugesprochen. ZeeBee bereitetet Vorne Mitte auf einen schnellen Anwurf vor, aber so weit soll es nicht mehr kommen. Als Gegenmaßnahme zur Schnellen Mitte greift Hameln zum Gaaanz Langsamen Siebenmeter. Die Ausführung dauert sage und schreibe 30 Sekunden und die Schieris haben sogar noch Zeit für ein Schwätzchen, während die Uhr runtertickt und das Gästepublikum (die Engländer haben so schöne Ausdrücke wie “to go apeshit” oder “to go absolutely balistic”, die im Deutschen einfach fehlen) … na ja jedenfalls seinen Unmut unter Berufung auf die Meinungsfreiheit nicht gerade leise äußert. ZeeBee schaut in seinen Taschen nach, ob er noch genügend Kleingeld für drei Kaffee hat, um sich zu den beiden Unparteiischen dazuzugesellen. Das Geld reicht nicht, die Schieris müssen auf den Kaffee verzichten … und pfeifen dann vier Sekunden vor Schluss frecherweise an, allerdings gepaart mit einem Time Out Zeichen, was die Werferin  dennoch als Anpfiff missversteht und wirft, Fränzi hält und im Tumult versteht erst einmal niemand, warum der Wurf dann wiederholt wird. Der zweite Wurf sitzt natürlich und elf Badenstedterinnen stehen fassungslos in der Halle, während Hameln den erfolgreichen aber hart erkämpften Saisonstart feiert. Die Schieris haben ihr Schwätzchen beendet und erklären die Begegnung für beendet. ZeeBee bittet höflich aber bestimmt die mitgereisten Eltern darum, die Federn, den Teer und die Stangen wieder in den Kofferraum zu packen.Kleines-Handballtagebuch-Modus aus

Was die HSG Mädels in dem Moment verständlicherweise vergaßen, war dass wir als krasser Außenseiter den eingespielten VfL Mädels einen tollen Kampf geliefert haben; dass das Spiel im Wesentlichen durch Kinderkrankheiten in der Deckung verloren ging, die bald abgestellt sein werden; dass wir im Angriff noch viel Potenzial haben, wenn erst einmal Oberligahandball verstanden wird; dass alle drei unserer Torhüterinnen in der Oberliga angekommen sind, da nämlich Kira zwischen Nele und Fränzi nahtlos an deren Leistung anknüpfte; dass wir im Angriff Möglichkeiten haben, um die uns alle anderen Mannschaften beneiden werden und vor allem dass die Einstellung der Mannschaft es nicht zuließ, dass die Hamelner Mädels auf mehr als fünf Tore davonziehen konnten.  Der Trainer hatte das jedenfalls nicht aus den Augen verloren und fuhr zufrieden nach Hause.

Zum Bericht des VfL Hameln