HSG versucht Schiedsrichtermangel zu beseitigen

Der Schiedsrichternmangel im Handballsport ist leider allgegenwärtig. Die Ausübung der Schiedsrichtertätigkeit ist gerade für junge Menschen oftmals sehr undankbar. So werden sie von den Zuschauern auf der Tribüne und von den SportlerInnen auf dem Spielfeld sowie auf der Bank für Ihre Entscheidungen angegangen und beschimpft. Teilweise so massiv, dass ein junger Schiedsrichter die Pfeife umgehend wieder an den Nagel hängt, was verständlich ist. Viele verlieren die Lust am Pfeifen und wollen sich den Verbalangriffen nicht mehr aussetzen. So manche junge Schiedsrichterin und junger Schiedsrichter hat das Spielfeld schon mit Tränen in den Augen verlassen. „Ein katastrophaler Zustand“, findet HSG-Schiedsrichterwart Bernd Schröder. Dieses Problem kann die HSG jedoch nicht allein lösen. „Hier ist jeder Verein aufgefordert aktiv zu werden. Sei es durch Aufklärung und Einwirken auf die Zuschauer, die gerade bei den Jugendmannschaften meist Eltern der Spielerinnen und Spieler darstellen oder durch eine interne Verpflichtung der Trainer und Betreuer, die wiederum auf ihre Mannschaften einwirken“, äußert Bernd Schröder.

In der Vorsaison hatten die Verbände der Region und des Landes große Probleme die Punktspiele mit Schiedsrichtern zu besetzen. Und das, obwohl es eine sinkende Zahl von Teams gibt. Für die Vereine ergeben sich zusätzlich oft hohe Kosten durch Strafgelder für nicht gemeldete Schiedsrichter verursachen, denn die Vereine sind verpflichtet Schiedsrichter in der Anzahl ihrer gemeldeten Mannschaften auf den entsprechenden Ebenen zu melden. Der HSG ist das schon lange nicht mehr gelungen. In der Saison 2017/2018 entstand der HSG allein hieraus ein Bußgeld in Höhe von 1.300 € für eine SR-Unterdeckung von 13. Mit den während der Saison angehäuften Bußgelder wegen Nicht-Ansetzung oder Umbesetzung eines der über 120 von HSG-Schiedsrichtern zu leitenden Spielen erhöhte sich das Bußgeld auf fast 2.000 €! Ein teurer Kreislauf für die gesamte Abteilung.

Die HSG hat auf all das reagiert und nimmt einen neuen Anlauf, die Situation insgesamt zu verbessern. Schiedsrichterwart Bernd Schröder suchte in den vergangenen Monaten interessierte junge Leute (auch Jugendliche, die bereits eine Lizenz hatten und die geforderten 4 Spiele u. a. auch aus den o. a. Gründen nicht erfüllten). In einem ersten Schritt soll zunächst die Lücke der zu meldenden Schiedsrichter geschlossen werden – und es sieht derzeit so aus, dass dieses Ziel annähernd erreicht wird. Schröder selbst will sich den jungen Schiedsrichtern widmen und sie bei ihren Auftritten begleiten, coachen, Feedbackgespräche mit den beteiligten Trainern führen und wenn es sein muss auch die “Tribüne coachen”. In der SalzwegArena hängt zwar ein Tribünenknigge – aber leider wird er oftmals nicht gelebt.

Mit Interesse verfolgt die HSG auch das von der Handballregion initiierte Projekt “Junior-Schiedsrichterschein”, das im Rahmen der Vereinsschiedsrichterwartesitzung 2018 am kommenden Samstag diskutiert wird.

Mit Pia Oetjen, Tahia Raschke und Tim Quoos haben heute die ersten 3 jungen Schiedsrichter ihre Lizenz (zurück)erhalten. Ein erfolgreicher Start für einen Neuanfang, dem sich in den nächsten Wochen hoffentlich noch weitere frischgebackene HSG-Schiedsrichter anschließen.